{"id":154667,"date":"2013-08-15T09:24:01","date_gmt":"2013-08-15T07:24:01","guid":{"rendered":"http:\/\/piratenpartei-treptow-koepenick.de\/?p=154667"},"modified":"2013-08-15T09:24:01","modified_gmt":"2013-08-15T07:24:01","slug":"politisches-statement-der-cryptoparty","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.piratech.de\/treptow-koepenick\/2013\/08\/15\/politisches-statement-der-cryptoparty\/","title":{"rendered":"Politisches Statement der Cryptoparty"},"content":{"rendered":"<p><em>Auf der Netzwerktreffen mit anschlie\u00dfender Cryptoparty vom 13.8.2013 hat Daniel Senff ein 5 min\u00fctiges Statement f\u00fcr die Piraten gehalten, das versucht den aktuellen Stand der Diskussion in der Partei angesichts der Abh\u00f6rskandale \u00a0zu formulieren. Dieses Statement ist als Einzelmeinung zu betrachten und bildet nicht <em>zwangsl\u00e4ufig<\/em>\u00a0die Meinung aller Piraten Treptow-K\u00f6penicks ab.<\/em><\/p>\n<p>Wenn man heute \u00fcber sichere Kommunikation spricht und dabei auf das Thema Kryptografie kommt, so sind in der Diskussion zwei Aspekte zu bedenken.<\/p>\n<p>Der technische Aspekt ist, dass Verschl\u00fcsselung viel Verst\u00e4ndnis von der Materie einfordert und mit Aufwand verbunden ist. Der soziale Aspekt stellt die Frage nach Verantwortung &#8211; sich und anderen gegen\u00fcber &#8211; und nach der eigenen M\u00fcndigkeit durch freie Kommunikation.<\/p>\n<p>Vor 20 Jahren wurde daf\u00fcr gestritten, dass harte Kryptografie frei eingesetzt werden kann und der Staat die Technologien nicht unterdr\u00fccken darf. 20 Jahre lang war das Credo in der Crypto-Community: &#8222;Eure Kommunikation ist unsicher, ihr m\u00fcsst verschl\u00fcsseln!&#8220; Dieser Aufruf erreichte jedoch nicht die Masse der Menschen. Heute beginnt die Debatte gerade in die n\u00e4chste Phase \u00fcberzugehen. Aus dem Streit um das Recht zur Verschl\u00fcsselung wird die Forderung nach einer Gesellschaft und einem Staat, vor dem nicht verschl\u00fcsselt werden muss.<\/p>\n<p>Innenminister Friedrich erkl\u00e4rte k\u00fcrzlich in einem Interview, dass der Staat die sichere Kommunikation nicht mehr gew\u00e4hrleisten k\u00f6nne. Es sei eines jeden eigene Verantwortung sichere Dienste zu benutzen und Verschl\u00fcsselung einzusetzen. Jeder ist auf sich allein gestellt! Verschl\u00fcsselung wird damit zur B\u00fcrgerwehr. Kryptografie wird Selbstverteidigung. Bereits heute wird der Einsatz von Kryptografie vom Gesetzgeber verlangt. So beispielsweise im Rahmen der St\u00f6rerhaftung bei WLAN-Netzen, bei denen der Betreiber Sorge tragen muss, sich das n\u00f6tige technische Wissen anzueignen um das Netz zeitgem\u00e4\u00df zu sichern. Hier stellt sich die Frage welcher Aufwand, welches Know-how man einem jedem Menschen zumuten kann um frei zu kommunizieren.<\/p>\n<p>Verschl\u00fcsselung ist eine Technologie, die viel Verst\u00e4ndnis erfordert und Werkzeug, dessen Nutzen Verbreitung finden sollte. Zu oft ist es jedoch ein Hilfsmittel ohne gute Anleitung. Aus diesem Anlass sind wir auf dieser Veranstaltung, um in das Thema einzuf\u00fchren und praktisch zu zeigen, was hinter dem gro\u00dfen Wort Kryptografie steckt.<\/p>\n<p>Es gibt viele gute Gr\u00fcnde zur Kommunikationsverschl\u00fcsselung. Letztlich dient Privatsph\u00e4re dem Schutz des Individuums. Angst vor dem Staat sollte kein Grund sein Verschl\u00fcsselung betreiben zu m\u00fcssen. Wir Piraten haben schon seit einiger Zeit den Aufruf: &#8222;Transparenter Staat, statt Gl\u00e4serner B\u00fcrger&#8220;. Was wir stattdessen bef\u00fcrchten, ist eine Informationsasymmetrie. Wenn der Staat Angst vor seinen B\u00fcrgern hat, diese aussp\u00e4ht, sich aber selber der transparenten Kontrolle entzieht, haben wir ein Demokratieproblem.<\/p>\n<p>Der Staat sagt uns im Grunde genommen nach den <a href=\"http:\/\/blog.karlshochschule.de\/2013\/07\/09\/prism-break-warum-wir-als-demokraten-hier-dringend-raus-mussen\/\">Worten von Patrick Breitenbach<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cIhr, mein Volk, seid zun\u00e4chst einmal alle grunds\u00e4tzlich verd\u00e4chtig. Ich, der Staat, misstraue jedem von euch. Ich, der Staat, will alles von euch wissen, bin aber selbst im Gegenzug nicht dazu bereit dir mein Inneres zu offenbaren.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p>Du selbst bist ja sauber.<br \/>\nDu hast ja nichts zu verbergen &#8211; wie langweilig!<br \/>\nAber welches Vertrauen haben die Menschen untereinander in einer Gesellschaft, wo der Staat meint dein Nachbar muss \u00fcberwacht werden?<\/p>\n<p>Und dies ist nur der erste Schritt: Bisher reden wir nur \u00fcber \u00dcberwachung, also Lesezugriff auf unsere Daten. Aber die Technologien k\u00f6nnen mehr, Schreibzugriff und Manipulation sind m\u00f6glich, was die Offenlegung des Bundestrojaners gezeigt hat.<\/p>\n<p>In einer Gesellschaft, die gepr\u00e4gt ist von gegenseitiger Paranoia und Angst, ist Demokratie nicht m\u00f6glich. \u00dcberwachung schafft eine Schere im Kopf. Echte Diskussion geht nur, wo Menschen einander vertrauen k\u00f6nnen und im Meinungsaustausch gemeinsam Wahrheit suchen. Dies drohen wir zu verlieren und gilt es zu verhindern.<\/p>\n<p>Letztlich geht es um die M\u00fcndigkeit eines jeden Einzelnen. Unsere M\u00fcndigkeit steht auf dem Spiel. Dabei gilt es auch Elitenbildung zu verhindern, weil nicht von jedem eigenverantwortliche Verschl\u00fcsselung erwarten darf. Auch Menschen, die keine M\u00f6glichkeit zum Einsatz von Kryptografie haben, sollen nicht bef\u00fcrchten m\u00fcssen Opfer staatlicher Massen\u00fcberwachung zu werden. Unser Ziel ist Teilhabe eines Jeden in einer freien Gesellschaft. Kryptografie ist Selbstverteidigung des Einzelnen, aber keine L\u00f6sung. Was es braucht, ist gesellschaftlicher Wille und Parteien, die R\u00fcckgrat beweisen, auch au\u00dferhalb von Wahlkampfzeiten f\u00fcr so eine Gesellschaft zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><em>Zweite Paar Augen: Michael B\u00f6ttcher, Nora K\u00f6nig, TIno Samland<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Netzwerktreffen mit anschlie\u00dfender Cryptoparty vom 13.8.2013 hat Daniel Senff ein 5 min\u00fctiges Statement f\u00fcr die Piraten gehalten, das versucht den aktuellen Stand der Diskussion in der Partei angesichts der Abh\u00f6rskandale \u00a0zu formulieren. 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