Offener Brief zur Notunterkunft in der Teske-Schule

Die Piraten in Tempelhof-Schöneberg unterstützen den folgenden offen Brief der Koordinationsgruppe der Ehrenamtlichen der Notunterkunft Teske-Schule („Schöneberg hilft“) vom 10. Februar 2016

Offener Brief an Senatorin Sandra Scheeres(SPD), Staatssekretär Mark Rackles (SPD) Schulpolitische SprecherInnen der im Abgeordnetenhausvertretenen Parteien Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), Bildungsstadträtin Jutta Kaddatz(CDU) Schulpolitische SprecherInnen der in der BVV Schöneberg-Tempelhof vertretenen Parteien

Schulen nur für geflüchtete Kinder darf es nicht geben! Gut funktionierende Unterkunft in Schöneberg soll für reine Flüchtlingsschule geräumt werden/Senat ist konzeptionslosDie Senatsbildungsverwaltung hat den Bezirk Schöneberg-Tempelhof aufgefordert,möglichst umge-hend die ehemalige Teske-Schule als Schulgebäude für bis zu 20 Willkommensklassen zur Verfügung zu stellen.

In der Teske-Schule leben seit September 2015 ca. 220 geflüchtete Menschen mit ihren Kindern.In enger Kooperation mit dem Betreiber Tamaja GmbH und der Willkommensinitiative „Schöneberg hilft“wurde in den vergangenenMonaten gemeinsam ein umfassenden Hilfs-und Unterstützersys-tem geschaffen, dasdazu beiträgt, dass die Geflüchtetenauch in dieser Schule die schwierigen Le-bensverhältnisse besser meistern können.

Eine große Zahl an ehrenamtlich engagierten Menschen bauten Sprachkurse, Einschulungsbegleitun-gen, Nachhilfeunterricht, medizinische Unterstützung, eine Kleiderkammer und Begleitdienste auf und unterstützen damit dieBewohnerinnen und Bewohner. Mit Erfolg: Etliche von ihnen haben mitt-lerweile Kontaktein der Nachbarschaft und besuchen zahlreiche Stadtteilangebote. Ihre Kinder ge-hen seit Monaten in den umliegenden Schulen regelmäßig zur Schule.

Im gesamten Kiez auf der Roten Insel finden sich mittlerweile Angebote, die den Bewohnern Integra-tion anbieten und erleichtern: Das Nachbarschaftsheim Schöneberg bietet Kurse an, der TAEKS e.V. führt wöchentliche Kochkurse durch. Die Initiative „Über den Tellerrand Kochen“hat eigene Räume angemietet, in denen regelmäßige Angebote wie Yoga, Kochkurse, Feste, Frühstücke etc. stattfinden. Es wurden Nähmaschinen gespendet, um Kleidung durch die Bewohner nach eigenen Vorstellungen ändern zu können. Hier funktioniert Integration!Doch der Senat hat es bisher nicht für nötig befun-den, die Ehrenamtlichen über die Pläne des Senats zu informieren.

Ein Räumung der Teske-Unterkunft ohne Integrationskonzept an einem anderen Standort im Bezirk lehnen wir deshalb entschieden ab. Bei der Suche nach alternativen Unterbringungsmöglichkeiten müssen die Interessen der Kinder, Jugendlichen und ihrer Familien nach einer verantwortbaren Fort-setzung der Integrationsbemühungen oberste Priorität haben.Ein Umzug der Bewohner und Bewoh-nerinnenineine andere Massenunterkunft würde die seit Monaten geleistete Arbeit des Betreibers und der ehrenamtlichen Unterstützergruppen gefährden.

Warum soll die Notunterkunft Teske-Schule geräumt werden?

In den Hangars auf dem ehem. Flughafen Tempelhof leben derzeit rund 2.000 geflüchtete Menschen mit ihren Kindern, nach Planungen des Senats soll diese Zahl mittelfristig auf bis zu 7.000 Personen gesteigert werden. Unter den Menschen befinden sich auch rund 600 schulpflichtige Kinder und Jugendliche, für die eigentlich eine Integration in den Regelschulbetrieb oder die Einrichtung von Willkommensklassen an umliegenden Schulen der Bezirke Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof geschaffen werden müsste. Tatsächlich können derzeit erst geschätzte 250 Kinder von ihrem Recht auf einen Schulbesuch Gebrauch machen.

Für alle bisher nicht beschulten Kinder werden derzeit von den zuständigen Stellen Schulräume ge-sucht. Weil die umliegenden Schulen jedoch voll sind, wird es nicht gelingen, die steigende Zahl der Kinder in den Schulen unterzubringen. Der bis Ende 2015 von der Senatsverwaltung für Bildung an-gedachte Plan zur Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Vorfeld der Hangars wird laut Bildungs-staatssekretär Mark Rackles nicht mehr verfolgt.

Die Absicht der Bildungsverwaltung, bis zu 20 Willkommensklassen im geräumten Teske-Schul-gebäude unterzubringen ist kein Beitrag zur Lösung der Probleme, sondern Ausdruck der Hilf-und Planlosigkeit des Senats im Umgang mit dem Standort Tempelhof.

Welche längerfristige Ideevon Integration steckt hinter dem Plan, das Schulgebäude als neue „Flüchtlingsschule“ zu reaktivieren?Die Ballung von mehreren hundert Flüchtlingskindern in einer Schule, die dann formal als Außenstelle einer anderen existierenden Schule rechtlich abgesichert werden soll, bietet keine sinnvolle Integrationsperspektive.

Bisher ist nicht bekannt, welche pädagogisch-didaktische Konzeption diesem Ansatz zugrundegelegt werden soll, welches Personal diese Flüchtlingsschule betreiben soll und welche Perspektive die in den THF Hangars lebenden Familien haben.DieUnterbringung von Geflüchteten in der NOTUNTERKUNFT THF Hangardarf keine Dauerlösung sein, sondern höchstens als vorübergehende Lösung für 6-8 Wochen gehandhabt werden. Das heißt, die Bewohner sollen dort nicht länger als unbedingt notwendigleben, sondern möglichst zügig in Gemeinschafts-oder Individualunterkünfte „umgesetzt“ werden. Eine Beschulung in einer reinen „Flüchtlingsschule“ während der Unterbringung in den Hangars ist nicht sinnvoll. Vielmehr sollten vor Ort, das heißt auf dem Flughafengelände, ausreichend Freizeit-und Bildungsangebote bereitgehalten werden, um die Zeit bis zu einer regulären Beschulung sinnvoll zu überbrücken.

Unsere Forderungen:

* Wir lehnen die Auflösung und Räumung der Notunterkunft in der Teske-Schule ohne ein trag-fähiges Integrationskonzept der derzeitigen Bewohner an einer anderen Stelle im Bezirk ab!

* Eine Beschulung von geflüchteten Kindern muss so stattfinden, dass eine Integrationmöglich ist.Reine Flüchtlingsschulen sind nicht tragbar!

* Wir fordern von der Senatsbildungsverwaltung und dem Bezirk einen Dialog auf Augenhöhemit den betroffenen Willkommensinitiativen unddie Vorstellung eines tragfähigen Konzepts mit einem realistischen Zeitplan für die Beschulung aller geflüchteten Kinder in den THF Hangars.

* Wir erwarten von den zuständigen Stellen eine umfassende und rechtzeitige Information über die geplanten Maßnahmen und die ergebnisoffene Prüfung von Alternativen, damit der Betreiber, die Bewohner und die Willkommensinitiativen sich frühzeitig auf mögliche Verände-rungen einstellen können!

Die Koordinationsgruppe der Ehrenamtlichen der Notunterkunft Teske-Schule(„Schöneberg hilft“)

Folgender Antrag wird in der kommenden BVV in Tempelhof-Schöneberg von der Gruppe Politik ohne Partei eingebracht.

Die BVV möge beschließen:

Das Bezirksamt möge sich bei den zuständigen Stellen beim Senat dafür einsetzen, dass die Notunterkunft für noch nicht registrierte Flüchtlinge in der Teske Schule erhalten bleibt. Dort befindet sich eine funktionierende Infrastruktur, die es lohnt erhalten zu werden.

Begründung:

Jegliche Änderungen des aktuellen Status sollten auf einem Dialog mit den betroffenen Willkommensinitiativen beruhen.
Alle Willkommensklassen in einer Schule zu konzentrieren wirkt der Integration entgegen und kann nicht Ziel einer integrationsorientierten Bezirkspolitik sein.

Was denkst du?