{"id":889,"date":"2012-10-02T18:24:51","date_gmt":"2012-10-02T16:24:51","guid":{"rendered":"http:\/\/piratenpartei-friedrichshain-kreuzberg.de\/?p=889"},"modified":"2012-10-02T18:24:51","modified_gmt":"2012-10-02T16:24:51","slug":"gute-gesunde-schule-aber-bitte-nicht-ueber-geld-reden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.piratech.de\/friedrichshain-kreuzberg\/2012\/10\/02\/gute-gesunde-schule-aber-bitte-nicht-ueber-geld-reden\/","title":{"rendered":"Gute gesunde Schule &#8211; aber bitte nicht \u00fcber Geld reden!"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Nichts ist nachhaltiger als die Investition in unsere Kinder&#8220;. Dazu geh\u00f6rt jedoch nicht nur der ausgestaltete Lehrplan an den Schulen, sondern auch ein gutes und gesundes Schulessen.<br \/>\nDie Ern\u00e4hrung im Schulalter bestimmt nachweislich die Gesundheit bis ins sp\u00e4te Erwachsenenalter. Der Erfolg der Schulbildung h\u00e4ngt dabei auch von einer angemessenen Ern\u00e4hrung unserer Kinder in den Schulen ab.<\/p>\n<p>Am 24.09. 2012 war ich zu Gast auf der Tagung &#8222;Berliner Schulverpflegung 2.0&#8220;<br \/>\nDie von der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Berlin organisierte Tagung fand in Kooperation mit dem Bildungsausschuss des Berliner Landesparlaments statt.<\/p>\n<p>Auszug aus der offiziellen Mitteilung:<br \/>\n&#8222;Wenn von der \u201eQualit\u00e4t des Schulessens\u201c die Rede ist, spiegeln die Einsch\u00e4tzungen meist nicht nur den Geschmack des Essens wider. Sie werden mehr oder minder stark beeinflusst und auch \u00fcberlagert von weiteren Einflussfaktoren wie z.B. der Raumsituation, der Ablauforganisation oder der (p\u00e4dagogischen) Gestaltung der Mittagspause. Auf der Tagung stellt Frau Prof. Arens-Azevedo (HAW Hamburg) Qualit\u00e4tsdimensionen der Schulverpflegung vor, diese werden mit der Ist-Situation in Berlin abgeglichen und Perspektiven der Qualit\u00e4tsentwicklung diskutiert.&#8220;<\/p>\n<p>Gesunde Ern\u00e4hrung steht im Berliner Schulgesetzbuch, daher sollte auf dieser Konferenz zun\u00e4chst \u00fcber die Festlegung von Standards und nicht \u00fcber die Finanzierung gesprochen werden.<br \/>\nNeben Lehrkr\u00e4ften, Schulleitern, Eltern- und Sch\u00fclervertretern nahmen Caterer und zahlreichen Vertretern von Schultr\u00e4gern sowie der Senatsverwaltungen f\u00fcr Bildung, Verbraucherschutz und Finanzen teil. Diese sollten in getrennten Gruppen \u00fcber die verschiedenen Dimensionen f\u00fcr die Qualit\u00e4t von Schulessen sprechen. Hierbei sollte es neben den \u00fcblichen Kriterien wie Ern\u00e4hrungsphysiologie und Hygiene auch z.B. um Kriterien wie ansprechende Farbgebung, Lebensmittelkonsistenz oder Kauger\u00e4usche beim Essen, Abwechslung und Vielfalt bei der Speiseplanung, die Beachtung kulturspezifischer regionaler Essgewohnheiten, Personalbekleidung, L\u00e4rmpegel, Essenskultur und andere Qualit\u00e4tskriterien gehen.<br \/>\nEntgegen der Planung der Veranstalter vermischten sich die einzelnen Teilnehmergruppen: Caterer sa\u00dfen mit Eltern, Schulleitern und Verwaltungsmitarbeitern in einem Raum und sprachen &#8211; statt \u00fcber Dimensionen der Essensqualit\u00e4t &#8211; \u00fcber ihre Sicht des Problems und dessen Finanzierung. &#8230;, es kamen so keine gegenseitigen Schuldzuweisungen oder Spaltungen auf.<\/p>\n<p>Um es also klar zu sagen: Alle Beteiligten waren sich einig: Gutes Schulessen kostet Geld und das muss das Land Berlin einfach zur Verf\u00fcgung stellen. Das Land Berlin m\u00fcsste durch einen Beschluss des Abgeordnetenhauses die Bezahlung sichern, bzw. Sponsoren finden oder noch weiter als bisher auf den Geldbeutel der Eltern ausweichen.<\/p>\n<p>Ein Auszug des Tagesspiegels vom 28.09.2012 lautet: &#8222;Der Landeselternausschuss forderte eine Abkehr von Gro\u00dfk\u00fcchen, das Schulessen sollte au\u00dferdem besser kontrolliert werden. Auch der Preisdruck sei N\u00e4hrboden f\u00fcr solche Vorf\u00e4lle. Eine bessere Finanzierung der Schulen w\u00fcnscht sich auch der Verband der Caterer. Im Vergleich zu anderen Bundesl\u00e4ndern seien die Berliner Preise gef\u00e4hrlich niedrig, sagt Rolf Hoppe vom Verband der Schulcaterer: Wenn Sparzwang herrsche, sparten einige in der Branche wom\u00f6glich auch an Sicherheit und Hygiene. \u00c4hnlich \u00e4u\u00dferte sich die Opposition im Abgeordnetenhaus. Es fehlten Vorgaben bei Preisen und Kontrolle der Lieferfirmen. Mit dem Betrag von 1,97 Euro pro Mahlzeit k\u00f6nnten viele Firmen kein hochwertiges Essen liefern.&#8220;<\/p>\n<p>Wer w\u00fcrde auch glauben, dass er heute f\u00fcr 1,97 Euro ein vollwertiges Mittagessen erh\u00e4lt, das den Anspr\u00fcchen eines geistig geforderten wachsenden Kindes gerecht wird ?<\/p>\n<p>Bei der Beratung des Haushaltsplans und bei Ausschusssitzungen im Bezirk und Abgeordnetenhaus zu den Finanzen der Bezirke habe ich eines bemerkt: es geht nicht darum realistische Ans\u00e4tze f\u00fcr Ausgaben nach Bedarf oder Gesetz festzulegen, sondern um Sparvorschl\u00e4ge und Streichungen in Bereichen, wo eine Minderausstattung am wenigsten auff\u00e4llt (z.B. weil in diesem Bereich nicht ausreichend von den Betroffenen protestiert wird). Lediglich einige kleine Bereiche erhalten medienwirksam eine Erh\u00f6hung im Haushaltsplan (z.B. der Posten Schulessen mit einem Antrag (DS\/0085-04\/IV)), der den Haushaltstitel &#8218;Bek\u00f6stigung&#8216; im Jahr 2012 um 100.000 \u20ac und im Jahr 2013 um 200.000 \u20ac aufstockt. Hiermit wurde im M\u00e4rz 2012 der Preis, den eine Mahlzeit kosten darf, auf ca. 2,03 Euro im Jahr 2013 erh\u00f6ht. Die Studie zur &#8222;Ber\u00fccksichtigung von Qualit\u00e4tskriterien in der Schulverpflegung&#8220; ergab, dass f\u00fcr ein Essen zwischen 3,14 Euro und 4,25 Euro berechnet werden muss. Der Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Bildung, Herr Rackles behauptete in seiner Rede auf der Konferenz, dass die Ausgaben f\u00fcr Schulessen vom Bezirk gedeckelt werden und nicht vom Land. Er kritisierte, dass die Bezirke keine ausreichenden Ausgaben veranschlagen w\u00fcrden. Die Kosten-Leistungs-Rechnung sollte zu realistischeren Preisen f\u00fchren und nicht zu einer gegenseitigen Unterbietung der Bezirke. Leider vergass er zu erw\u00e4hnen, dass die finanziellen Mittel, die vom Land den Bezirken zugeteilt werden, stets sinken, w\u00e4hrend die zu erf\u00fcllenden Aufgaben stets ansteigen.<\/p>\n<p>\u00dcber den Antrag der &#8222;Erh\u00f6hung der Zuweisung an die Bezirke mit einer Zweckbindung f\u00fcr Schulessen&#8220; wurde am 14.6. im Plenum des Abgeordnetenhauses abgestimmt. Dieser Antrag der Piratenfraktion zum Haushalt 2012\/13 wurde von SPD\/CDU &#8211; die die Mehrheit stellen &#8211; abgelehnt, B90\/Gr\u00fcne haben sich enthalten und nur die Linke hat zugestimmt.<\/p>\n<p>Die Bezirke werden zusammengespart und im Schulbereich gibt es eine Menge an Kritikpunkten. Die Bezirksverwaltung hat die Auswirkungen des Stellenabbaus im Schulamt schriftlich beschrieben (DS: 0217 \/ IV, S.55): Das Schulamt k\u00fcmmert sich nur um gesetzliche Pflichtaufgaben, und selbst die werden \u00fcber kontinuierlichen Stellenabbau immer weiter reduziert. Der offizielle Bericht des Schulamtes beschreibt, dass der Stellenabbau ein Eingehen auf W\u00fcnsche der Eltern bei der Vergabe von Schulpl\u00e4tzen, oder die fristgerechte Bearbeitung von Widerspr\u00fcchen kaum noch m\u00f6glich machen wird, die Vergabe von Sporthallen an Sportvereine wird teilweise wegfallen. Rechnungen und Bestellungen werden versp\u00e4tet bearbeitet werden, die Bearbeitung und Beseitigung von M\u00e4ngeln verz\u00f6gert sich, genauso wie die Pflege und Wartung von Schulgeb\u00e4uden und Aussenanlagen, sowie die Beaufsichtigung von Baumassnahmen und Reparaturen an Schulen.<br \/>\nEs ist nicht zu erwarten, dass Personal oder auch finanzielle Mittel zur Verbesserung der Situation in den Bezirken zur Verf\u00fcgung gestellt werden.<br \/>\nUnd das Schulessen ? Es wird sich wohl kaum verbessern. Personal f\u00fcr Kontrollen der Essensqualit\u00e4t wird es nicht geben und h\u00f6here Ausgaben f\u00fcr Schulessen wurden abgelehnt.<\/p>\n<p>Mein Fazit lautet, dass Veranstaltungen, wie diese Konferenz zur Qualit\u00e4t des Schulessens davon ablenken sollen, dass das Land Berlin lieber das Geld der B\u00fcrger in Gro\u00dfprojekte investiert, anstatt die Bev\u00f6lkerung direkt in Form von Zuweisungen an die Bezirke zu unterst\u00fctzen. Die vermeintliche Auseinandersetzung in der \u00f6ffentlichen Debatte dient mehr der Beruhigung der B\u00fcrger und die Realit\u00e4t (z.B. die Finanzierung) soll am besten gar nicht betrachtet werden.<br \/>\nSollte keine zweckgebundene Erh\u00f6hung der Zuweisungen an die Bezirke erfolgen, so wird jede Erh\u00f6hung des Betrages f\u00fcr Schulessen im Haushaltsplan der Bezirke zulasten eines anderes Bereiches gehen. Und viele Bereiche sind personell und finanziell jetzt schon so unterversorgt, dass Landes- und Bundesgesetze, sowie Beschl\u00fcsse des Abgeordnetenhauses nicht eingehalten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein Wegfall von Pflichtaufgaben im Schulbereich durch mangelhafte Personalausstattung, die Forderung sich um mehr und mehr Kriterien f\u00fcr bessere Schulen zu k\u00fcmmern und deren Einhaltung zu kontrollieren, aber gleichzeitig die Schulausstattung bzw. staatliche Aufgaben immer mehr auf den Geldbeutel der Eltern, oder auf private Investoren auszulagen, entspricht nicht meinen Vorstellungen von sozialstaatlichem Handeln. Mehr und mehr h\u00e4ngt die Ausstattung der Schulen und somit die Bildung der Kinder vom Schuleinzugsgebiet und der entsprechenden F\u00f6rderbereitschaft der Anwohner ab.<br \/>\nIch fordere den Senat auf, auf Gro\u00dfprojekte zu verzichten, vom Bund mehr Geld zu verlangen und den Bezirken ausreichend Geld und Personal zur Verf\u00fcgung zu stellen, um die Beschl\u00fcsse des Abgeordnetenhauses und die gesetzlichen Verpflichtungen einhalten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nNaja und etwas einzuf\u00fchren, was bisher abgelehnt wurde, n\u00e4mlich ausreichend Geld f\u00fcr ein gesundes Schulessen zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>Jessica Miriam Zinn<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Links:<br \/>\n* http:\/\/www.schuleplusessen.de\/qualitaetsstandard.html Der DGE-Standard f\u00fcr die Schulverpflegung.<br \/>\n*\u201eBerliner Tage der Schulverpflegung 2012\u201c http:\/\/www.vernetzungsstelle-berlin.de\/108+M547442bfe14.html?&amp;tx_ttnews[month]=08&amp;tx_ttnews[year]=2012<br \/>\n*IN FORM: Deutschlands Initiative f\u00fcr gesunde Ern\u00e4hrung und mehr Bewegung: http:\/\/www.in-form.de\/startseite-vns-portal\/start.html<br \/>\nLink zur Veranstaltung: https:\/\/www.in-form.de\/schulvernetzungsstellen\/vns-aktuell\/aktuelles\/veranstaltungsberichte\/auftakt-in-berlin.html<br \/>\n*Studie zur &#8222;Ber\u00fccksichtigung von Qualit\u00e4tskriterien in der Schulverpflegung&#8220; www.berlin.de\/sen\/bildung\/besondere_angebote\/gute_gesunde_schule\/<br \/>\n*Pressemitteilung zur Studie &#8222;: http:\/\/www.berlin.de\/sen\/bjw\/presse\/archiv\/20120913.1600.375196.html<br \/>\n*Tagesspiegel zum Thema Schulessen:<br \/>\nhttp:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/verdorbenes-schulessen-eltern-fordern-abkehr-von-grosskuechen\/7196196.html<br \/>\nhttp:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/welle-von-magen-darm-erkrankungen-demerreger-auf-der-spur\/7198526.html<br \/>\n*DS\/0085-04\/IV Erh\u00f6hung des Titels Bek\u00f6stigung im Haushaltsplan 2012\/13 in Friedrichshain-Kreuzberg http:\/\/www.berlin.de\/ba-friedrichshain-kreuzberg\/bvv-online\/vo020.asp?VOLFDNR=4834&amp;options=4<br \/>\n*DS\/0217\/IV Auswirkungen des Personalabbaus auf die Bezirksverwaltung in Friedrichshain-Kreuzberg http:\/\/www.berlin.de\/ba-friedrichshain-kreuzberg\/bvv-online\/vo020.asp?VOLFDNR=4954&amp;options=4<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Nichts ist nachhaltiger als die Investition in unsere Kinder&#8220;. Dazu geh\u00f6rt jedoch nicht nur der ausgestaltete Lehrplan an den Schulen, sondern auch ein gutes und gesundes Schulessen.<br \/> Die Ern\u00e4hrung im Schulalter bestimmt nachweislich die Gesundheit bis ins sp\u00e4te Erwachsenenalter. 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